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  • Hany Branga

Wie erreiche ich als Ergotherapeutin den Alltagstransfer? Beispiel Origami

Es stellt sich oft die Frage, wie man den Alltagstransfer erreichen kann, damit die Therapie nachhaltig wirkt und die Therapiezeit verkürzt wird. In meiner Praxis werden die Patienten so viel wie nötig und so wenig wie möglich behandelt.


Die Kinder bekommen Ergo-Hausaufgaben als Beispiel wie folgt:

•einen Dokumentationsbogen – um die Entwicklung festzuhalten und die Übungen bewusst und verantwortungsvoll zu erledigen. Hinzu werden auch die Eltern in der Verantwortung genommen. •Kopie mit der anstehenden Übung aus dem Buch

•Alternativen für die Übungen in Form von alltäglichen Tätigkeiten – Beispiel Origami





Mittels eines Prozesses, der Mathematik, Sprache, Kreativität kombiniert, wird ein viereckiges Blatt-Papier fast alles, was man sich vorstellen kann.

Diese Veränderung passiert ohne Benutzung der Schere, Kleber, Stifte oder andere Materialien außer ein Blatt Papier. Diese Technik heißt Origami und kommt aus der asiatischen Kultur – auf japanisch ist „ori“ das Falten und „gami“ das Papier. Origami ist in den letzten Jahren immer mehr von Pädagogen und Ergotherapeuten benutzt worden.


Origami und die Selbstwahrnehmung


Ein Kind mit Lernschwierigkeiten befindet sich meistens in einen Teufelskreis von verschiedenen Defiziten: klinische und emotionale. Wenn das Kind klinische Schwierigkeiten, auf unterschiedlichen Ebenen, hat, ist seine Entwicklung von Lerndefiziten begleitet. Dadurch erlebt das Kind Frust und bekommt Probleme mit seiner Selbstwahrnehmung und sein Selbstbewusstsein. Somit ist das Kind nicht mehr bereit sich in der Zukunft zu bemühen und bekommt dauernd negative Rückmeldungen.

Origami, wenn optimal angewandt, kann dem Kind eine unübliche effektivere pädagogische Methode bieten.

Durch Origami lernen die Kinder, dass Fehler reversibel sind. Eine falsche Faltung ist nicht für immer und kann rückgängig gemacht werden. Den Umgang lernen und ein Origami-Modell herstellen gibt dem Kind ein Erfolgserlebnis, positive Gefühle und vor allen das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Die Wirkung nach außen kann dadurch auch gefördert werden – das Kind bekommt Aufmerksamkeit auf einer positiver Weise.

Eine Eigenschaft der Kinder mit Lernschwierigkeiten ist die Unfähigkeit, die Belohnung verspätet annehmen zu können. Eine Belohnung muss sofort eintreten. Gerade deshalb ist die Projekt-Arbeit so frustrierend. Je schneller diese Kinder Ergebnisse sehen, desto besser ist es. Durch Origami sehen die Kinder sofort Ergebnisse und ein fertiges Model ist immer mit einem Erfolgserlebnis verbunden.


Origami - ein pädagogisches Medium


Papierfalten ist instruktiv und attraktiv. Es verlangt Kreativität und konstruktive Fähigkeiten von Kindern. Friedrich Froebel (1782-1852), der deutsche Erzieher und Erfinder des Kindergartens, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, den Lernprozess zu erforschen und zu beobachten, hat gemerkt, dass die Spiele der Kinder eine große pädagogische Bedeutung haben. Origami hat die Eigenschaften eines Spiels: macht Spaß, funktioniert nach bestimmte Regeln; ist mit Gefühlen verbunden; es regt an und fördert das Lernen beim Handeln. Kinder lernen, wie sie Schritt-für-Schritt und Falte-für-Falte zu einem Ergebnis kommen, der ein Erfolgserlebnis vermittelt.

Origami ist multi-sensorisch, anregend und aktivierend, vor allem bei Kinder mit Lernschwierigkeiten. Um ein Origami-Ergebnis zu bekommen, muss das Kind zuhören, beobachten und handeln. Das Wiederholen dieser Schritte gibt dem Kind die Möglichkeit seine unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten auf einer schöneren Art zu fördern. Das sequenzierte Gedächtnis, die Konzentration, die Fähigkeit Aufgabenstellungen zu folgen, Raum-Lage-Wahrnehmung, Auge-Hand-Koordination, fein- und grobmotorischen Fähigkeiten sind ein Teil der angesprochenen Ebenen der Kognition und Motorik.


Origami und die Lernschwierigkeiten


Das Papierfalten fördert auch Fähigkeiten in dem pädagogisch-akademischen Bereich. Die meisten Applikationen sind es Lesen und Mathematik. Origami zeigt, dass die Mathematik ein Fach ist, das Exploration als Untergrund hat. Als Beispiel kann man ein Schüler nehmen, der ein Stück Papier in Hälfte faltet und dann wieder das Papier öffnet – somit ist die Proportion ½ gezeigt. Durch Origami können die Schüler die geometrischen Erfahrungen und die Raum-Lage-Wahrnehmung erweitern. Durch die intrinsisch geometrische Art des Origami können die Kinder praktisch die mathematischen Fähigkeiten fördern. Die Assoziation zwischen Mathematik und die angenehme Erfahrung mit Origami kann die Motivation der Schüler wesentlich positiv verändern. Symmetrie, Proportion und andere mathematische Konzepte können mit Origami den Kindern beigebracht werden.

Dadurch dass Origami auf Zeichen und Symbole basiert, kann ein anderer Ziel auch festgelegt werden – nämlich das Lesen. Lesen basiert auf Assoziationen von Symbole und Laute. Spezialisten meinen, dass die wichtigen Fähigkeiten fürs Lesen während des Papierfaltens in drei Bereichen gefördert werden: das Wahrnehmen eines Zeichens als ein Symbol, das Erkennen des Symbols und das Interpretieren. In dem das Kind die einzelnen Schritte des Faltens lesen und deuten muss, um zu einem Ergebnis zu kommen, wird es durch seinen Erfolg fürs die Bemühungen des Lesens belohnt.

Origami beeinflusst die Entwicklung der Sequenzierung auf einer positiver Weise. Die Kinder müssen die Modelle Schritt-für-Schritt falten. Wenn das Kind nicht aufmerksam die einzelnen Schritte einhält, wird er kein Erfolg haben und seine Arbeit wird zu keinem Ergebnis führen.


Wichtige Informationen für das Lehren des Origami bei Kinder mit Lernschwierigkeiten:


- nie das Falten anstelle des Kindes übernehmen. Man kann es zeichnen, zeigen oder durch geführte Bewegungen helfen;

- wenn das Kind nicht alleine falten kann, kann man das Falten übernehmen, dann aufmachen und das Kind ermutigen nachzumachen;

- immer positiv auf das Falten reagieren.


Origami – als therapeutisches Werkzeug


Origami ist sehr hilfreich für Patienten mit Problemen an den Händen, wie Arthritis-Patienten, mit Wahrnehmungsstörungen und Hypotonus. Das Papierfalten kann man sowohl in der Praxis als auch zuhause angewendet werden. Die wiederkehrenden Bewegungen während des Faltens stärken die Muskulatur der Hände und fördern damit die Feinmotorik.

Zusätzlich wird den Patienten mit Angststörungen, Depression und niedriges Selbstwertgefühl geholfen.


Quelle:

Meine Erfahrung und http://www.idhca.org/wp-content/uploads/2016/07/Suenaga_Therapeutic-Advantages-Of-Origami.pdf


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